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  • Funkkontakt und eine Leiche

    Der nächste Tag war der letzte Tag des Schulpraktikums. Viel zu schnell waren die drei Wochen vergangen. Torsten war es gelungen, immer ein kleines Stückchen weiter an den Einsatzdienst heranzukommen, als es eigentlich für ihn vorgesehen war.

     „Moin!“, grüßte Ogrodnik als Torsten das Büro betrat.
    „Guten Morgen“ erwiderte Torsten.
    „Heute ist Dein letzter Tag bei uns“, sagte Ogrodnik ungewohnt freundlich. „Wir haben uns etwas Besonderes für Dich ausgedacht. Vormittags fahren wir einen Einsatz mit und am Nachmittag bist Du auf dem Löschboot.“
    „Wow!“, dachte Torsten, „das ist ja völlig genial.“
     
    Und schon ging es los. Zumindest glaubte Torsten das. Ogrodnik ging mit ihm zur Wache rüber. Sie begrüßten die Mannschaft und schauten sich noch ein paar Ausrüstungsgegenstände an. Dann setzten sie sich in die Küche und Ogrodnik begann Zeitung zu lesen. Torsten sah ständig abwechselnd auf die Uhr und auf die Alarmanzeige. Jedesmal wenn der Alarmgong ertönte zuckte er zusammen. Sein Puls stieg binnen einer einzigen Sekunde auf Höchstleistung, doch immer wieder waren es nur Alarme für die Rettungswagen.
     
    Seit Stunden saßen sie nun in der Küche. Plötzlich ertönte der Alarmgong. „RTW B“ blinkte auf der Alarmanzeige. Gerade wollte Torsten wieder in die enttäuschte Mimik verfallen, da merkte er, dass noch ein Tonsignal mehr erklang. Auf der Alarmanzeige Blinkte nun auch noch „HLF“ auf. Es gab also einen Einsatz für das Hilfeleistungslöschfahrzeug.
     
    „Einsatz!“, rief Torsten so laut, dass Ogrodnik erschrak und fix die Zeitung weglegte. Sie gingen zum KLF. Ogrodnik hatte die Genehmigung eingeholt, mit dem KLF einen Einsatz zu begleiten. Die Tore gingen auf. Mit flackernden Blaulichtern und lautem Hornrückten RTW und HLF aus. Einen Moment später rückte ein KLF aus. Das Presslufthorn war völlig überdemensioniert für den PKW und so manch Autofahrer erwartete wohl eher einen LKW. Drinnen saßen ein Verwaltungsbeamter und ein Schulpraktikant, der sein Glück kaum glauben konnte, einmal mit Blaulicht und Martinshorn in einem Einsatzfahrzeug durch den Großstadtverkehr fahren zu dürfen.
     
    „NOTF-TV Conventstraße 28b“ stand auf der Einsatzdepeche. Ogrodnik erklärte Torsten, dass das für „Notfall hinter verschlossener Tür“ stand. Torsten wusste das längst. Er hörte aber höflichkeitshalber interessiert zu.
     
    Sie trafen an der Einsatzstelle ein. Im zweiten Stock, rechts, wohnte eine alte Frau die keinen Kontakt zu den Nachbarn hatte. Ihre Tochter empfing die Einsatzkräfte völlig aufgeregt. „Ich wollte meine Mutter besuchen aber sie öffnet nicht. Von innen steckt ein Schlüssel und der Fernseher ist zu hören. Sie muss also zu Hause sein“, sagte die Frau.
     
    Torsten wusste, was jetzt kommen musste. Zu oft schon hatte er die strengen Einsatzbefehle selbst nachgespielt. Gleich würde der Gruppenführer befehlen: „Angriffstrupp, zur Türöffnung mit Spezialwerkzeug durch das Treppenhaus ins zweite Obergeschoss vor!“ Doch Torsten irrte sich. In ruhigem Tonfall hörte man den Gruppenführer mit seiner Mannschaft sprechen: „Rainer und Jan, Werkzeugkasten und Kuhfuss.“ Das war alles was er sagte. Dann ging es in den zweiten Stock. Die aufgeregte Frau vorweg, ständig sich wiederholend, dass die Mutter doch da sein müsse und die Tür aber zu sei und so weiter, gefolgt vom Gruppenführer, zwei Feuerwehrleuten in Einsatzkleidung, zwei weiteren Feuerwehrleuten in Sanitäterkleidung, Ogrodnik und Torsten.
     
    Die Tür der Nachbarwohnung im zweiten Stock ging auf. Eine südländisch aussehende Frau guckte raus als wolle sie den Rettern etwas mitteilen. „Haben Sie einen Schlüssel?“, wollte der Einsatzleiter wissen. In den Augen der Frau konnte man ein großes Fragezeichen erkennen. Sie verstand offenbar kein deutsch. Die Frau redete irgendetwas in einer fremden Sprache. Für Torsten klang es etwa wie „Bog bog Mogadischu“ oder so ähnlich zumindest. Offenbar hatte sie gemeint, dass sie kein deutsch spricht und schnell den Sohn holen würde, denn sie erschien erneut an der Tür, diesmal jedoch in Begleitung eines Kindes. „Was los?“, fragte das ausländische Kind. Der Einsatzleiter wiederholte seine Frage nach dem Schlüssel. „Ich nix Schalussel, nix gesehen altes Frau lange her.“
     
    Der Einsatzleiter wies seine Männer an, die Tür zu öffnen. Es knackte einmal kurz etwa, dann war die Tür offen. Die Frau welche sich als Tochter der Wohnungsbesitzerin vorgestellt hatte eilte in den Raum, aus welchem man den Fernseher hören konnte. Irgendwie war es Torsten in seinem Eifer gelungen, an den Einsatzkräften vorbei zu kommen. Zeitgleich betrat er gemeinsam mit der Frau das Wohnzimmer. „Nein!“, schrie die Frau auf und begann heftig zu weinen. Torsten stand wie angewurzelt und realisierte was er sah. Im Sessel vor dem laufenden Fernseher saß die Wohnungsbesitzerin. Sie war gestorben an Herzversagen, wie sich später rausstellen sollte.
    Ogrodnik zog Torsten weg. „Ich bringe Dich jetzt zum Hafen“, sagte er.
     
    Mit dem KLF erreichten sie rasch die Landungsbrücken. Torsten sah das Löschboot an der Kaimauer liegen. An Land neben dem Boot standen ein paar Container, welche provisorisch zu einer kleinen Wache ausgebaut worden waren.
     
    Ogrodnik verabschiedete sich von Torsten und übergab ihn dem Kapitän von Löschboot 11. „Willkommen an Bord!“, wurde Torsten von der Mannschaft begrüßt. „Dann wollen wir unserem Besuch mal was bieten“.
     
    Sie legten ab und fuhren aus dem Hafen heraus, die Elbe herunter. Torsten staunte nicht schlecht als er hörte wie viel PS die Motoren haben und welche Pumpenleistung in dem Schiff steckte. Sie führten ihm die Drehleiter und die Strahlrohre vor. Eine Wasserfontäne schoss in den Himmel und erzeugte einen Regenbogen. „Lass uns einen Kakao trinken“, sagte der Kapitän und führte Torsten in den Bereich, wo das Schiff gesteuert wurde. „Hier Florian Hamburg, verstanden Ende“, ertönte es plötzlich. Sofort fielen Torstens Augen auf sein Lieblingsthema, das Funkgerät. Torsten erzählte dem Kapitän, dass er aus Stade kam und dass er im Grunde schon ganz gut funken könnte. Als er merkte, dass der Kapitän darauf ansprang, konnte er sich eine Notlüge nicht verkneifen. „Mein Onkel arbeitet in Stade in der Einsatzleitstelle, da durfte ich schon öfter mal funken“, log er.
    „Kennst Du den Stader Kanal?“ „Klar, 468“ sagte Torsten. Na dann mach mal eine Verständigungsprobe mit Deinem Onkel. Wir sind Florian Hamburg Löschboot 11“. Torsten konnte es nicht glauben. Der Kapitän ließ ihn tatsächlich ans Funkgerät.
     
    Torsten schaltete den Kanal um und nahm den Hörerin die Hand. Aufgeregt drückte er die Sprechtaste. „Florian Stade von Florian Hamburg Löschboot 11 kommen!“. Nichts. Es kam keine Antwort. „Na dann stimmt wohl der Kanal doch nicht. Lass gut sein. Willst Du noch einen Kakao“, fragte der Kapitän.
    Torsten war enttäuscht. Hatte er irgendwas falsch gemacht Waren sie nur zu weit weg von Stade, um gehört zu werden?
     
    „Hier Florian Stade, wer ruft, kommen“ klang es plötzlich aus dem Lautsprecher. Diese stimme konnte Torsten unter hunderten Disponentenstimmen raus hören. Zwar kannte er den Disponenten nicht persönlich aber immer wenn Torsten heimlich mit einem alten Radio den Funk mithörte, war diese einmalig Prägnante Stimme zu hören, schon älter aber mit einem rollenden R und einem spitzen S.
     
    „Hier Florian Stade welches Fahrzeug hatte gerufen, kommen“, klang es erneut aus dem Gerät. Torsten drückte die Sprechtaste: „Hier Florian Hamburg Löschboot 11. Frage Verständigung kommen.“ Florian Stade antwortete „Verständigung klar laut und deutlich ohne Nebengeräusche.“ „Verstanden, wir schalten zurück, Ende.“ Er hatte gefunkt! Zum ersten mal in seinem Leben durfte er endlich einmal funken! Als das Löschboot angelegt hatte gab der Kapitän ihm zum Abschied noch mit auf den Weg: „Beim Funken konnte man aber merken, dass Du das nicht zum ersten mal gemacht hast. Respekt!“.
     
    Oben an der Kaimauer wartete schon Torstens Opa um ihn abzuholen. „Und was war nun das beste an drei Wochen Praktikum bei der Feuerwehr?“ „Das Funken“, antwortete Torsten ohne lange überlegen zu müssen.
     
     
    An dieser Stelle wird der Roman vorerst unterbrochen.
    Alle Kapitel werden überarbeitet und neu erscheinen – möglicherweise als Buch.
     
    Erste Verhandlungen mit einem Verlag laufen bereits.
     
    Bis dahin gibt es einiges zu lesen zum Thema Fußball im Fussball Forum.